Montag, 29. Januar 2018

Brief 510 vom 29.1.1943


Mein liebster  Ernst!                                                          Konstanz, 29.1.43

Wenn dieser Brief in Deine Hände kommt, wirst Du sicher schon einige Tage im Besitz meiner gestrigen Zeilen sein, in denen ich Dir mitteilen musste, dass Kurt gefallen ist. Man kann es noch gar nicht glauben. Vor kurzem war er doch noch hier. Ich sehe ihn noch vor mir, als er auf Urlaub kam. Ganz bepackt kam er an. Er saß dann noch eine Weile am Tisch und erzählte. Ganz gegen seine Gewohnheit von früher. Ich weiß auch noch so genau, wie wir an die Bahn gegangen sind und wie er abfuhr. Nun liegt er schon in fremder Erde. Man kann sich das gar nicht vorstellen.
Gestern Abend so gegen ½ 9 Uhr klingelte es. Ich habe die Haustür aufgeschlossen, da war es Vater. Er machte erst so Handbewegungen, dass ich gleich merkte, es musste etwas geschehen sein, und dann sagte er  „Kurt ist tot.“ Glaubst du, ich konnte es nicht fassen. Die Kinder kamen gleich wieder aus den Betten gesprungen, als sie hörten, was geschehen war. Wir haben alle geweint. Ich sagte dann zu Vater, dass ich gleich zu Paula runter gehen wollte, denn sie hängt doch auch sehr an ihm. Auf der Treppe kam sie mir entgegen, und als ich ihr die Nachricht brachte, setzte sie sich gerade auf die Treppe und weinte. Sie sagte dann, ich sollte doch mit in die Stube kommen Da hat sie dann erst sehr geweint, ehe sie den Brief lesen konnte, den ich ihr mitgenommen hatte. Sie sprach von seinem letzten Urlaub und wie schwer er wieder fort gefahren sei. Er habe gar nicht fort wollen. Ich fragte dann, ob sie vielleicht an Nanni schreiben könnte. Sie meinte, vielleicht sei es am besten, sie würde selbst hinfahren. Sie könnte sich gar nicht denken, wie Nanni es aufnehmen würde. Sie befürchtete, dass sie krank wird. Sie habe ihr im letzten Brief geschrieben, sie habe sich sehr gefreut, dass er sie in seinem letzten Urlaub besucht habe. Sie habe ihn ungern wieder gehen lassen und es sei ihr gewesen, als habe sie noch etwas an ihm versäumt.
Ich bin dann wieder zu uns gegangen. Vater saß mit den Kindern in der Stube. Ich habe dann die Kinder zu Bett gebracht und habe dann mit Vater noch zusammen gesessen. Vor allen Dingen haben wir an Dich geschrieben. Es ist da so schwer, zu schreiben. Man ist zuerst wie betäubt. Für Dich wird es hart gewesen sein, als Du die Nachricht bekamst. Vater sagte, es würde ihm doch auch nichts erspart. Nun sei es schon das zweite Mal, dass er die Nachricht vom Tode eines seiner Kinder erhalten habe. Er habe zu gar nichts mehr Lust, mag alles kommen, wie es will. Er habe sich schon manchmal überlegt, wie lange Jahre es wohl noch dauern werde, bis er einmal stirbt.
Lieber Ernst, ich warte jetzt direkt auf einen Brief von Dir. Es ist, als wäre ich dann nicht mehr so allein, als würdest Du mit mir reden.
Lieber Ernst, bleib Du gesund und komm immer gesund wieder heim. Das ist mein größter Wunsch.
Lass mich für heute schließen. Morgen schreibe ich sicher wieder mehr. Recht viele Grüße und Küsse von Deiner Annie.

P.S.: Sobald wir die amtliche Bestätigung haben lässt Vater eine Todesanzeige in die Zeitung setzen, denn Kurt hatte ja Bekannte, die wir nicht persönlich kennen.

Brief 509 vom 28.1.1943


Mein lieber  Ernst!                                                   Konstanz, 28.1.43

Vielen Dank für Deinen lieben Brief vom 15.1. Die Frage wegen des Reviers hast Du ja ausführlich beantwortet. Noch ausführlicher ging es bestimmt nicht. Jetzt ist ja auch diese Streitfrage geklärt.
Dass Du nicht jeden Brief der Kinder extra beantworten kannst, das wissen sie schon und verlangen es auch gar nicht. Ich erzähle ihnen ja immer aus Deinen Briefen. Wenn Du ab und zu einmal schreibst, genügt es schon und sie freuen sich sehr.
Du hast Dich so gefreut, dass Du wieder Öl für mich bekommen hast. Deine Freude kann ich nur teilen, und Du weißt ja, geteilte Freude ist doppelte Freude. Es ist ja so eine Beruhigung, wenn man weiß, man hat noch etwas Reserve da. Ich kann Dir leider immer nur wieder so im Brief danken, aber Du weißt sicher, wie sehr ich mich freue.
Die Wochenschau von Weihnachten haben wir hier auch gesehen. Es waren wirklich schöne Bilder von Kindern, wie sie zu den Kerzen schauen. Uns hat es sehr gefallen. Den Film „Die Entlassung“ habe ich leider nicht gesehen, gespielt ist er hier auch worden. Aber wahrscheinlich kommt er später wieder einmal.
Ich war gestern wieder nähen. Ich will doch auch eine Kleinigkeit in diesem Kampf beitragen. Es ist ja so wenig, was man tun kann. Dass man den Soldaten in Stalingrad nicht helfen kann, ist so hart. Wie lange wird sich dieser Kampf noch hinziehen?
So lange es noch geht, leiste ich mir einmal in der Woche das Vergnügen, zum Baden und Schwimmen zu gehen. Die anderen Tage habe ich ja immer zu arbeiten. Wenn die Anforderungen des Krieges noch größer werden, kann ich ja auch darauf noch verzichten, aber einstweilen behalte ich es bei. Heute ist ja unser Badetag. Jörg will wieder fest schwimmen. Er hat jetzt Freude daran bekommen. Er hat schon gesagt, er will mit mir zusammen schwimmen, natürlich nicht im Tiefen.
Von unserem Küchenzettel habe ich Dir diese Woche noch gar nicht berichtet. Am Sonntag hatten wir grüne Bohnen, Kartoffeln und Hackbraten, am Montag weiße Bohnen mit Bratkartoffeln, am Dienstag Kartoffelbrei mit Wienerle, am Mittwoch Rahmkartoffeln mit Gurkenwürfeln, heute gibt es Möhren mit Kartoffeln.
Wenn ich nun weiter schreibe, ist der Mittag vorbei. Wir sind gerade mit essen fertig. Helga wäscht mir gleich ab, damit wir gleich fort können. Jörg ist nämlich heute erst spät heim gekommen, ½ 2 Uhr, so dass wir auch erst spät zum Essen kamen. Er ist mit seinen Schulkameraden wieder über die Wiese heimgegangen, da ist ein Mann mit einer Peitsche gekommen und hat sie runter gejagt. Sie dürfen doch nicht über die Wiese, aber wie Jungens sind, immer wieder versuchen sie es. Heute haben sie lange Beine gemacht, damit sie heil davon kamen, was auch gelungen ist. Durch den großen Umweg ist aber die Zeit vergangen.
Hast Du auch schon daran gedacht? Alice wollte uns doch schreiben, bis jetzt ist es aber noch nichts geworden. Sie verspricht auch nur. D.h. so wild bin ich gar nicht drauf.
Lieber Ernst, ich weiß gar nicht, was ich noch schreiben soll. Soeben habe ich mich wieder so über Jörg ärgern müssen. Du solltest nur seine Schuhe wieder sehen. Gestern habe ich sie hergerichtet, heute hat er schon wieder Gummi weg, und dreckig sind die Schuhe, es ist einfach schauderhaft. Das kommt natürlich wieder vom Laufen durch die Wiese. Da ist so ein Schlamm. Aber immer wieder geht er durch. Ich weiß nicht mehr, was ich mit Jörg machen soll. Soll ich dauernd zuschlagen? Ich weiß mir nicht mehr zu helfen. Ich kann doch nicht jeden Tag Schuhe reparieren. Und liederlich rumlaufen kann ich ihn doch auch nicht lassen.
Jetzt hast Du sogar noch was von meinem Ärger hören müssen. Und bist doch gar nicht schuld daran. Nimm es mir bitte nicht übel. Gerade versucht Jörg, sich selber Eisen (die er auch noch verloren hat) und Gummi aufzunageln. Er will mich versöhnen.
Nun lass mich schließen. Sei ganz fest und herzlich gegrüßt und geküsst von Deiner Annie.

Brief 508 vom 27.1.1943


Mein liebster  Ernst!                                                  Konstanz, 27.1.43

Gestern habe ich Dir nicht geschrieben. Es ist jetzt bei mir scheinbar so, dass ich fast jeden Kinobesuch mit Kopfschmerzen bezahlen muss. So auch gestern wieder. Wir waren doch in dem Film „Diesel“, d.h. Jörg war mit dem Richard in „Schloss Hubertus“. Der Film „Diesel“ war wirklich hervorragend. So viel hatte ich mir nicht davon versprochen. Es zeigt den Kampf des Mannes um seinen Motor, der erst nach 10jähriger Arbeit zu seiner Zufriedenheit ausfällt. In der Zwischenzeit gibt es immer wieder gewaltige Rückschläge. Mit vielen Opfern ist dieser Motor erkauft.
Nach dem Film sind wir heimgegangen. Wir haben Abendbrot gegessen. Währenddessen steigerte sich mein Kopfweh so, dass ich einfach nicht mehr stehen konnte. Nach dem Abwaschen habe ich mich etwas auf´s Sofa gelegt. Als ich wieder aufstand, hatte Jörg das ganze Geschirr abgetrocknet. Ist das nicht lieb von ihm? Helga konnte es nicht tun, weil sie doch Schulaufgaben machen musste. Über Mittag war doch die Zeit zu kurz gewesen. Als die Kinder im Bett waren, habe ich mich auch schlafen gelegt. Nachts um 1 Uhr ging die Sirene los. Wir hatten bis 2 Uhr Alarm. Dann konnten wir uns wieder ins Bett legen. Aber um ¾ 3 Uhr holten sie uns wieder raus bis ¼ 4 Uhr. Gehört haben wir aber von den Fliegern nichts. Da die Kinder erst um 10 Uhr in die Schule mussten, und Helga, weil sie schon um 10 Schulschluss hatte, überhaupt schulfrei hatte, sind wir erst ¼ 9 Uhr aufgestanden. Jörg hat sich ja schwer gefuchst, dass er in die Schule musste. Er wünscht sich doch immer, wenn schon Flieger kommen, dass sie wenigstens am Sonntag zum Montag kommen, weil er dann nicht in die Schule müsste.
Gestern Abend hat es mir genützt, dass ich weiß, wie der Vorschaltwiderstand zusammengeschraubt ist. Er bockte nämlich schon mehrmals, manchmal ging das Radio gar nicht an. Da habe ich mir das Ding einmal hergenommen und habe mir überlegt, woran es liegen könnte. Nun ist doch an der einen Seite eine kleine Vertiefung, in der 2 Steckerlöcher und ein Schräubchen ist. Unter dem Schräubchen war doch die Platte abgebröckelt. Dadurch saß die das ganze Innere des Widerstandes nicht mehr fest. Ich habe nun über das abgebröckelte ein festes Stück Pappe gelegt mit einem kleinen Loch drin. Wenn ich nun das Schräubchen festschraube, so kann es nicht durchrutschen und alles sitzt fest. Erst, als ich gestern das Radio anstellte, ging es gar nicht. Als ich dann die Reparatur vorgenommen hatte und es lief alles wieder tadellos, habe ich mich sehr gefreut.
Den Blumenstock von Dir hatte ich doch immer auf dem Fensterbrett stehen. Da wurde es jetzt aber zu kalt, vor allen Dingen nachts, wenn der Vorhang noch davor hing. Da kam bloß die kalte Luft von außen an den Stock. Auf den Tisch konnte ich ihn auch nicht stellen, weil wir jetzt viel drüben sind. Also habe ich ein kleines Gestell gebaut, laut beiliegender Zeichnung. Ich habe es hellbraun gefärbt und es etwas niedriger als das andere Brett in der Stube aufgehängt. Da steht nun der Stock, hat Licht und doch nicht kalt.
Vorhin hörte ich gerade im Radio, dass alle Kräfte der Heimat eingesetzt werden sollen und dass auch dementsprechende Gesetzte in Vorbereitung sind. Ich bin gespannt, ob da auch mich etwas betrifft. Ob ich vielleicht schaffen gehen muss oder sowas. Na, wir werden ja sehen.
Den Vormittag über habe ich heute wieder an den Schuhen zu tun gehabt. Hier waren Eisen weg, da war die Sohle gelockert. Ein paar Schuhe, die Jörg auch bald zu klein werden habe ich ganz eng beieinander benagelt. So kann er sie noch abtragen. Eine Ledersohle wäre zu schade gewesen, denn Leder bekomme ich doch nicht mehr.
Während ich hier schreibe, wäscht Helga mir ab. Ich will dann wieder nähen gehen. Helga wird wahrscheinlich mitgehen, während Jörg hier bleibt und draußen spielt.
Heute ist Dein liebes Päckchen Nr.2 mit Haarwasser, Kölnisch Wasser, Hautcreme und dem Buch von L. Finkh angekommen. Von der Hautbreme hat Helga gleich einmal probieren müssen. Ach, ist das ein Äffchen. Ich danke Dir sehr für die übersandten Sachen, Du lieber Schatz.
Papa hat nun morgen Geburtstag. Er wird sicher die Sachen von uns bekommen haben, auch meinen Brief. Er hat ja schon längere Zeit darauf gewartet. Gestern sandte er uns wieder die Abzeichen vom Sonntag.
Jetzt muss ich aufhören mit schreiben, es wird sonst zu spät zum Fortgehen. Bleib Du, mein lieber Mann, ganz gesund und nimm viele Grüße und Küsse entgegen von Deiner Annie.

Brief 507 vom 25.1.1943


Mein liebster  Ernst!                                                     Konstanz, 25.1.43

Es ist wieder 9 Uhr geworden, ehe ich zum Schreiben gekommen bin. Ich war heute wieder beim Nähen, von ½ 3 bis 6 Uhr. Heute hab ich sogar 3 Zelte fertig gebracht. Sonst gehe ich ja immer dienstags, aber mir ließ es gar keine Ruhe. Wenn ich jetzt so lese, wie die Soldaten in Stalingrad kämpfen und fast den sicheren Tod vor Augen haben, da kann ich nicht daheim bleiben. Da will ich auch etwas tun. Wenn es auch nicht viel ist. Es tut mir direkt weh, dass die Soldaten dort so eingeschlossen sind und sich bis zum Letzten wehren. Beim Angriff ist nach meinem Fühlen alles anders, aber so eingeschlossen sein, einen unmenschlichen Feind um sich, es muss grausam sein. Wie müssen jetzt die Familien leiden, die genau wissen, dass ihre Männer und Söhne in Stalingrad sind. Dieser Kampf sollte doch alle aufrütteln. Wie wird das Ende der Stalingradkämpfer sein? Ich höre heute gerade im Nähen, dass Herr Weber gesagt hat, sie könnten keine Nacht mehr schlafen, weil doch ihr Sohn auch in Stalingrad ist. Niemand weiß, wie es ihm geht.
Post habe ich heute keine von Dir erhalten, aber vorhin habe ich einmal wegen der Sache „Brose“ nachgesehen. Eine Abschrift des Briefes, in dem gewissermaßen gleich die Urkunde mit enthalten ist, die wir hier haben, lege ich bei. Wie Du daraus siehst, handelt es sich bei dem Johann Christian Brose um den 2.Sohn des Johannes Zacharias Brose aus Niemberg. Vielleicht hat der 1.Sohn in Niemberg geheiratet und das väterliche Geschäft übernommen, während der 2.Sohn in Köthen in die Schuhmacherei eingeheiratet hat. Vielleicht kannst du in dem Sinn nochmals nachforschen.
Wegen der anderen Daten in der Ahnensache, wie Hochzeitstage, Geburtstage usw. will ich noch an Papa schreiben. Gestern habe ich das zu erledigen vergessen. Aber ich vergesse es nicht.
Ich schrieb Dir doch vorige Woche, dass im Nähen einige so genannte „Bessere Damen“ da waren. Zwei davon haben fleißig geschafft, die anderen zwei hatten es weniger wichtig. Heute habe ich erfahren, dass das die ganze Familie Stromeyer war. Die Frauen vom Ludwig, Manfred, dem Doktor und die Frau eines Sohnes. Heute hat auch Frau Bernhagen neben mir gesessen. Deren Mann ist jetzt in Mühlhausen. Das ist aber eine sehr nette Frau. Sie beklagte sich auch darüber, dass so wenig Frauen kommen, die sonst gar nichts zu tun haben. Sie meinte, vielleicht würde es noch ein „muss“, dass jede Frau etwas hilft. Schaden könnte es nichts, denn da ist wirklich noch viel Arbeitsreserve vorhanden.
Helga hatte jetzt wieder einmal eine ganz neue Idee. Sie hat mit noch einigen Mädchen einen „Club“ gebildet. Da hat sie ein Buch angelegt, wenn Dienst ist, wieviel Geld eingegangen ist usw. Wenn sie Geld zusammen haben, wollen sie Soldaten im Lazarett besuchen. Ich habe ihr nun gesagt, jeder soll etwas Geld bei sich zuhause zusammensparen, dann könnten sie gehen. Außerdem hat der Club noch den Zweck, dass sie sich irgendwo treffen zum Lesen. Jeder bringt ein Buch mit. Das tauschen sie nachher solange sie zusammen sind aus. Diese Club-Sache ist so eine richtige Kinderidee. Aber ich habe sie machen lassen. Es bereitet ihr doch so sehr viel Freude.
Wie Helga heute sagte, hat ihnen die Lehrerin bekannt gegeben, dass die Zensuren ganz geändert werden. Es würden verschiedene Fächer anders benannt, dann würde Verschiedenes zusammengefasst. Das Wichtigste ist aber, dass sie gesagt hat, in „Betragen“ gäbe es jetzt keine 1 mehr, nur wenn jemand sich ganz hervorragend betragen hätte, sodass niemals ein Anlass für einen Tadel vorhanden gewesen wäre. Sonst gäbe es nur 2 oder 3. Wenn das tatsächlich der Fall ist, so finde ich das blödsinnig. Das ist auch wieder so eine Versuchsidee. In der kurzen Zeit, seit Helga in der Schule ist, wurden doch schon einmal die Zensurhefte geändert, denn Jörg hat doch ein ganz anderes Zensurheft. So lange ich mich erinnern kann, und auch schon früher, hat es im „Betrage“ doch schon immer eine 1 gegeben, nur wenn jemand richtig frech war, bekam er eine 2. Nun soll das plötzlich auch anders werden. Was heißt schon hervorragend betragen? Jedes Kind redet doch einmal in der Stunde oder stellt sonst eine harmlose Dummheit an. Da soll es nun eine 2 geben. Ich bin ja gespannt, was die Kinder für eine Zensur heimbringen. Mit der Schule wird jetzt auch viel experimentiert, findest Du nicht auch?
Gestern Abend war Vater noch hier. Ich habe den Abend über noch an seinen Strümpfen geschafft. Um 11 war ich mit stricken fertig. Dann musste ich noch verschiedene Maschen aufheben und verschiedene Stellen stopfen, denn ich habe doch nur die Füße angestrickt. Gegen 12 war ich mit den Strümpfen fertig und konnte sie Vater gleich mitgeben. Er hat mir dann, obgleich ich es nicht wollte, 2 Mk. für die Arbeit gegeben. Ich hätte gleich mit den anderen Socken in den nächsten Tagen angefangen, aber Vater muss erst wieder Wolle raussuchen. Das kann er aber erst am Samstag. Da muss ich so lange warten.
Wenn nichts dazwischen kommt, gehe ich morgen mit den Kindern in den Film „Diesel“. Der wird sicher interessant sein. Dabei bezahle ich gleich die Lichtrechnung für Vater auf dem Rentamt und schaffe eine Karte nach dem Arbeitsamt. Sie haben ihm nämlich eine Karte geschickt, er möge ihnen mitteilen, wo er augenblicklich beschäftigt ist. Derweil haben sie ihn doch selber zu Stromeyer vermittelt.
Nun lass mich schließen. Ich will noch den einen Brief abschreiben. Bleib mir gesund und sei ganz herzlich gegrüßt und feste geküsst von deiner Annie.

Brief 506 vom 24.1.1943


Mein liebster  Ernst!                                                     Konstanz, 24.1.43

Siehst Du, meine Hoffnung hat mich nicht getäuscht. Gleich 3 Briefe hab ich heute von Dir bekommen, für die ich Dir recht herzlich danke. Da hab ich wieder was zu beantworten und Du musst nicht mit ein paar Linien zufrieden sein. Aber es ist wirklich manchmal so, man weiß einfach nichts zu schreiben. Es waren heute Deine lieben Briefe vom 11., 12. und 17.1.
Unser Sparkonto hat wirklich zugenommen. Es ist ja auch gut so. Ich meine immer, es hat keinen Wert, unnötige Sachen zu kaufen, die doch nicht wichtig sind. Bei den Sachen zum Anziehen schaue ich schon, dass ich etwas bekomme. Aber man muss da auch mit den Punkten sparen. Die neue Karte mit 100 bzw. bei den Kindern mit 120 Punkten muss bis zum Juli 1944 reichen. Das ist eine ziemlich lange Zeit. Aber ich komme schon durch, denn ich habe ja verschiedenes da, woraus ich den Kindern und mir etwas nähen kann. Helga braucht auch bald einen Mantel, denn der Schulranzen hat am Rücken alles aufgerieben, sodass es nicht gerade schön aussieht. Unter den Achseln ist auch alles zerrieben. Da werde ich den Mantel auftrennen, den ich früher mal von Nanni bekam. Ich wende ihn, und damit bekommt Helga einen ganz schönen Mantel. Aber, um nochmals auf das Geld zu kommen. Ich rechne so: Die Sachen, die wir brauchen, die haben wir. Sollte uns doch einmal das Haus zerschlagen werden, was man nicht hoffen will, so haben wir immerhin noch ein paar Pfennige in der Hand. Dass das Geld kaputt gehen könnte, hoffe ich nicht. Sollte auch das der Fall sein, so müssen wir eben ganz von vorn anfangen. Aber da schrieb ein Soldat jetzt einmal in der Zeitung: „Unser Geld ist so viel Wert, so viel unser Sieg wert ist, denn wenn der Feind gewinnen würde, so wäre bestimmt unser Geld kaputt, aber auch die Sachen, die wir hätten, wären wertlos. Der Feind würde uns ausbeuten, dass wir auch die Sachen nicht mehr behalten könnten.“ Das glaube ich auch. Aber da wir nicht an unserem Sieg zweifeln, so mache ich mir auch wegen dem Geld keine Sorgen. Die Hauptsache ist doch im Krieg erst einmal, dass man nicht hungern muss. Und das ist ja auch nicht der Fall. Dass wir im Frieden nicht mehr so viel sparen können, das glaube ich auch. Das ist aber nicht so schlimm, wenn wir eine gewisse Rücklage haben. Außerdem ist das Wichtigste, dass wir uns alle gesund wiedersehen, dann geht schon alles weiter. Wir haben uns ja bisher auch durchgebissen.
Wegen der Sache „Brose“ schaue ich in den nächsten Tagen mit nach. Heute komme ich nicht gut dazu. Ich will dann noch an Papa schreiben und hinterher stricken, damit ich bald mit dem Strumpf fertig werde.
Verschiedene Päckchen hast Du auch wieder fertig gemacht. Du siehst doch immer zu, dass Du etwas für uns bekommst. Ich freue mich sehr und danke Dir auch ganz fest dafür. Hoffen wir auch wieder, dass alles gut ankommt.
Du schreibst, wenn ich noch Gewicht frei habe, soll ich Dir eine alte Batterie und Seife schicken. Nun ist aber mein Päckchen schon eine ganze Zeit lang an Dich unterwegs. Soll ich Dir ein extra Päckchen mit den Sachen schicken?
Also umgezogen bist Du jetzt wirklich schon oft genug. Schön ist es bestimmt nicht, denn man kann sich den Raum kein Bisschen so ausgestalten, wie man es gerne hätte. Man fühlt sich immer fremd, wenn man alles eingepackt lassen muss. Da war es in Frankreich schon anders und ich glaube auch noch in M.
Wenn Du Deine Malerei so schlecht machst, so ist das nicht richtig von Dir, sie war wirklich schön. Uns hat sie gefallen und auch viel Freude gemacht. Und das ist doch das Wichtigste dabei, nicht wahr?
Dass Dir die Bestecktasche gefallen hat, freut mich. Der Flanellstoff war wirklich wieder einer meiner Reste, d.h. es war noch ein ganz schönes Stück. Ich dachte, es würde sich für diese Tasche eignen, erstens, weil es schöner und appetitlicher aussieht, wenn die Bestecke auf weißem Grund liegen und zweitens, weil sie durch den dickeren Stoff nicht gleich durchstechen. Mit dem Wegschicken der Tasche war es auch so eine Sache. Die Päckchen ohne Marke durften doch nur 100g wiegen. Ich war erst an den Schaltern und habe das Päckchen wiegen lassen, da wog es 150g. Wird nicht mehr ohne Marken angenommen, hieß es. Erst wollte ich sie wieder mit heim nehmen, ich hatte ja noch keine Marke da. Dann dachte ich aber, Du brauchst die Tasche doch, ich probiere es noch beim Paketschalter. Ich habe das Päckchen hingegeben und habe gesagt: „Würden sie es vielleicht wiegen, ob es noch geht?“ Das Fräulein wog es, aber nur mit der Hand, und meinte „geht noch“. Du glaubst gar nicht, wie froh ich war.
Ich  nehme es auch noch nicht ernst, wenn Jörg seine Berufswünsche bekannt gibt. Ich wollte es Dir nur schreiben. Das glaube ich, dass ihm noch manche Dinge begegnen, die ihm nicht passen werden. Da muss er noch manchen Pflock zurück stecken. Bis jetzt will er mit dem Kopf durch die Wand. Helga ist manchmal zu bedauern. Immer fuchst er sie. Wenn sie irgendetwas macht oder sagt, immer mokiert er sich darüber. Helga ist manchmal ganz aufgeregt und zittrig, so ärgert sie sich. Bei Jörg ist es ganz komisch, erst kann er lieb sein und mich abdrücken und küssen, im nächsten Moment, wenn ihm was nicht passt, dann brüllt er rum, wie nicht gescheit. Nur, ich lasse mir´s nicht gefallen. Heute Morgen war´s auch wieder so. Ich hatte den Kindern die frischen Sache geholt. Da ich meinte, dass der Pullover noch sauber sei, hatte ich Jörg keinen mitgebracht. Als ich beim Bettenmachen bin, schreit er rüber: „Es ist kein Pullover da.“ Ich sage: „Deiner wird doch noch sauber sein.“ „Von wegen sauber, dreckig ist er, ich kann ihn  nicht mehr anziehen, ich brauche einen frischen“, sagt er. „Also, dann hol dir einen sauberen“, sage ich zu ihm. „Hei nochmal, jetzt soll ich mir selber einen holen, denkst Du, ich friere nicht?“ er war ganz wütig. Da ich mich aber gar nicht mehr um ihn gekümmert habe, ist er dann ohne ein weiteres Wort gegangen. Nach fünf Minuten war er wieder der friedlichste Mensch. Genauso, wie es mir mit Jörg geht, wird es der Lehrerin mit den vielen Buben gehen. Wenn sie da nicht durchgreift, da ist sie verloren. Ich kann es ihr nicht verdenke, wenn sie Tatzen austeilt.
Wie ich Dir schon schrieb, ist Helga wieder ganz gesund und munter. Dass sie sich die eine Woche noch schonen konnte, hat ihr bestimmt gut getan.
Gerade sind die Kinder zusammen in der Stube und hören sich das Märchen „Rotkäppchen“ an. Man hört es ja jetzt so gut bei dem neuen Radioapparat, den Du, lieber Kerl, besorgt hast.
Nun lass mich wieder schließen. Ich schreibe jetzt noch an Papa und lege den Durchschlag noch hier bei.
Ich grüße und küsse Dich ganz herzlich und fest Deine Annie.

Brief 505 vom 23.1.1943


Mein liebster, bester  Ernst!                                           Konstanz, 23.1.43

Gestern habe ich leider nicht geschrieben, aber ich wusste gar nicht, von was ich Dir berichten sollte. Ich war, außer de kurzen Zeit, wo ich die Kleiderkarte holte, den ganzen Tag daheim und habe meist gestrickt. Mit dem einen Strumpf bin ich nun fertig und habe auch bereits den zweiten angefangen. Jetzt wird Dein Vater nicht mehr so lange zu warten brauchen.
Heute war ich am Vormittag auch unterwegs. Jörg habe ich gleich wieder zur Schule mitgenommen. Dann habe ich eingekauft und Deine Zeitungen besorgt. Ich konnte heute ziemlich viel Wurst kaufen, da wir die Woche über wenig Fleisch gebraucht hatten, 300g Mettwurst und 100g Leberwurst. Da freuen sich die Kinder sehr, denn die essen doch Wurst viel lieber als Fleisch, vor allen Dingen Jörg.
Helga und Jörg waren gestern beim Turnen. Heute hat Helga starken Muskelkater und sie ist auch so kaputt. Ich glaube, es hat sie fast zu sehr angestrengt. Sie haben gestern am Barren und Reck geturnt. Jörg macht das ja wieder gar nichts aus. Jörg ist wieder draußen zum Spielen. Helga hat es sich ein Bisschen auf dem Sofa bequem gemacht. Ich habe drüben Feuer gemacht, da ich beim längeren Sitzen hier in der Küche immer so kalte Füße bekomme. Da ist es in der Stube gemütlicher. Im Freien ist es heute ja nicht gerade zu sehr kalt. In den letzten Tagen hatten wir ziemlichen Frost, dazu etwas Nebel, so dass alles voll Reif war. Heute hat nun alles getaut. Aber schmutzig ist es dadurch überall.
Gestern habe ich auch wieder meinen Luftschutzkoffer richtig eingeräumt. Man holt ab und zu ein Stück heraus und wenn man dann nachsieht, ist gar nichts Notwendiges mehr drin. Das ist ja nicht der Zweck der Sache. Nach Nägeln bin ich heute auch gelaufen. Ich habe zwar noch welche da. Aber wie lange werden die reichen und wenn man gerade keine bekommt, sitzt man da. Es gibt sowieso immer nur für 10 Pfg. Dann habe ich noch einen beweglichen Griff für die Büchertruhe besorgt. Den habe ich vorne am Deckel festgemacht. Wenn die Kinder die Truhe öffnen wollen, brauchen sie nur am Griff anzufassen. Schwarze Schuhcreme konnte ich heute auch bekommen, dagegen war meine Nachfrage nach einer Tafel und nach Griffeln umsonst. Vielleicht bekommt ein Geschäft am Montag welche, da will ich gleich hingehen, denn Jörg seine Tafel fällt nun bald endgültig aus dem Rahmen. Seit einigen Monaten laufe ich ja nun schon nach der Tafel rum.
Eigentlich wollte ich auch noch an Papa und an Erna schreiben, aber ich habe heute gar nicht die richtige Schreiblust. Ich verschiebe es noch bis morgen. Da muss ich mich ja dann wirklich dran setzen, sonst ist Papa vor allen Dingen beleidigt. Ich muss ihm ja für´s Paket mit Zeitungen danken. Er hatte mir auch unsere Weihnachtskrippe mitgeschickt, die wir zuhause immer hatten. Weißt Du, es ist so eine durchsichtige aus Papier.
Jetzt bin ich mit meiner Weisheit schon wieder am Ende. Manchmal weiß man so viel zu schreiben  und dann fällt einem wieder gar nichts ein. Du nimmst es mir aber bitte nicht übel, nicht wahr? Briefe habe ich gestern und heute nicht von Dir erhalten. Vielleicht kommen morgen wieder mehrere zusammen, da habe ich auch wieder viel zu beantworten.
Sei Du, mein liebster Mann, wieder recht herzlich gegrüßt und geküsst von Deiner Annie.

Brief 504 vom 21.1.1943


Mein liebster Ernst!                                                       Konstanz, 21.1.43

Ich weiß nicht, wie ich schreiben soll, „oh weh, Du musst 5 Mk. bezahlen“ oder „hurra, unser Sohn kann schwimmen“. Das kann er nämlich jetzt wirklich. Erst fing er auch heute mit dem Schwimmgurt an. Später war er eine Weile aus dem Wasser. Da wollte er zur Helga hin schwimmen. Ich sagte ihm, dort liegt dein Schwimmgurt. Er aber meinte, er wolle es einmal so versuchen. Er ging ins Wasser und schwamm los. Erst einige Züge, und zuletzt ist er über die ganze Bassinbreite geschwommen. Ich habe mich riesig gefreut und er war ganz stolz. Jetzt hat er es also auch geschafft. Ich denke, dass er jetzt seinen Ehrgeiz darein setzen wird, bald im Tiefen schwimmen zu können. Den ganzen Abend hat er von diesem großen Ereignis gesprochen.
Noch etwas muss ich Dir heute schreiben. Das ist aber nichts so freudiges. Ich war heute mit dem Vorschaltwiderstand beim Mayer. Es war nichts daran kaputt, nur ein Schräubchen war scheinbar locker geworden, denn jetzt geht er wieder tadellos. Nun sagte mir aber der Mayer, ich sollte zusehen, ob mir niemand in Frankreich einen neuen besorgen könnte, denn die vordere Platte, wo die Stecklöcher dran sind, wird spröde und bröckelt schon teilweise ab. Lange würde er wahrscheinlich nicht mehr halten. Das kommt scheinbar von der Hitze. Ich dachte nun, ob Du nicht einmal versuchen könntest, durch Dr. Thomas einen, oder wenn es geht, noch 2 Vorschaltwiderstände besorgen zu lassen. Er könnte sie mir hierher schicken und ich würde ihm sofort das Geld zusenden. Alle Markenzeichen, die auf dem Karton waren, habe ich Dir auf einen Zettel aufgeklebt. Vielleicht könntest Du ihm die mit hinschicken, damit er weiß, um was es sich handelt. Es wäre ja sehr schade, wenn es keine mehr gäbe, weil uns dann der Apparat nicht nützte. Hoffen wir, dass wir Glück haben.
Nachdem ich schon Deine lieben Briefe bis zum 10. Habe, kam heute Dein Brief vom 6.1. an.
Ich bin Dir bestimmt nicht darum böse, dass wir seinerzeit zur Resi hin gegangen sind. Ich habe lediglich festgestellt, dass wir immer viel zu viel Rücksicht auf andere Leute nehmen. Ich weiß ganz genau, dass Du es nur gut gemeint hast. Du meintest eben, sie sei vielleicht jetzt viel allein. Aber wie ich Dir seinerzeit schon sagte, glaub mir, sie hat mehr Bekannte wie ich. Außerdem ist das jetzt ja vorbei und die Hauptsache ist ja, dass wir viele schöne Tage mit einander verlebt haben. Und das haben wir doch, nicht wahr? Man hofft, so ein Urlaub käme bald wieder, aber damit wird es wohl noch gute Weile haben. Zu sehr darf man sich einen Urlaub gar nicht ausmalen, sonst wird das Warten viel zu schwer.
Ja, es ist wirklich manchmal komisch. Man meint, nur etwas ganz Besonderes könnte den Kindern gefallen. Aber darauf kommt es ja gar nicht so an. Siehst Du, als wir uns jetzt den einen Kasper selber gemacht haben. Das war eine Freude. Und er ist doch nichts Besonderes. Und dass Deine Puppen große Freude gemacht haben, das hast Du ja aus den Briefen der Kinder, besonders von Helga, gelesen.
Über das „heimlich tun“ Deines Vaters mit Kurt ärgere ich mich schon lange nicht mehr. Weißt Du, ich meine sicher, er wolle ihm noch etwas heimlich zustecken zum Mitnehmen. Dass er mir davon nichts sagt, das nehme ich ihm ganz bestimmt nicht übel. Du weißt ja, neugierig bin ich nicht. Er hätte ja auch ruhig mit Kurt gehen können. Nur sein verändertes Wesen kränkte mich erst etwas. Aber das ist lange wieder vorbei.
Verschiedene Urkunden hast Du auch wieder erhalten. Das ist fein. Man freut sich über jedes, was man noch erhalten kann. Es geht ja jetzt auch ziemlich weit zurück.
An Papa habe ich heute 2 Päckchen geschickt, eines mit einer Flasche Wein. Ich hatte diesen bei Tengelmanns zugeteilt bekommen. Ich glaube, „Saarpfälzer Ruwer“ heißt er. Im anderen Päckchen sind einige Schachteln Zigaretten und etwas Gebäck. Nicht viel, aber mehr hatte ich nicht. Ich habe dazu eine Karte geschrieben. Einen längeren Brief, als Antwort auf seine Schreiben, will ich morgen oder übermorgen schreiben.
Beim Baden war es heute wieder fein. Das Schwimmen ist immer so schön. Zuerst hat mir etwas der Rücken wehgetan. Ich habe gemerkt, dass wir jetzt mehrere Wochen nicht da waren. Ingrid war auch mit. Helga und sie sind immer zusammen geschwommen oder ins Flache gesprungen. Ich bin mehr bei Jörg geblieben. Der steht ja jetzt auch nicht mehr so rum und friert, sondern schwimmt immer. Sein Üben hat ja jetzt auch seinen Lohn erhalten. Er hat einen mächtigen Stolz, dass er nun auch schwimmen kann und nicht mehr so rumkrabbeln braucht. Als wir heim kamen, hatten wir einen mächtigen Hunger. Ich habe gleich Abendbrot gemacht. Wir hatten selber gemachte Nudeln. Die haben gut geschmeckt. Am Mittag gab es weiße Bohnen. Die gibt es morgen nochmal, denn es sind so viele übrig geblieben. Aber die Kinder essen sie auch gern, da macht es nichts aus.
Jetzt will ich mich noch eine Weile ans Stricken setzen, sonst muss Dein Vater zu lange warten. Morgen will ich den Tag auch dazu benutzen, nur am Morgen fahre ich zum Kleiderkarten holen.
Nun lass mich schließen. Bleib mir ganz gesund, mein liebster, bester Ernst und sei ganz herzlich gegrüßt und geküsst von Deiner Annie.