Donnerstag, 19. März 2020

Brief 794 vom 5.10.1944


Mein lieber Mann!                                                                               5.10.44      

Ich glaube, ich kann hurra rufen. Der Arzt hat heute gesagt, ich kann wieder versuchen, richtig auf dem ganzen Fuß zu laufen, natürlich nicht gleich Paradeschritt. Na, das lasse ich ja schon selber sein. Ich freue mich schon, daß ich wieder richtig auftreten kann. DAs heißt, kann ist zu viel gesagt, kann kommt von können und da haperts noch. Die Zehen erreichen beim besten Willen nicht den boden. ABer das wird sich auch noch geben.  Für den Anfang habe ich im Garten mit dem Pflücker 19 Pfund Äpfel runtergeholt. Fast 8 Pfund sind dabei so runter gefallen, denn sie sind schon gut reif. Wenn man nur dran rührt , sind sie schon unten. Das meiste haben wir unten, ca. 138 Pfund. Die Falläpfel sind nicht immer mitgerechnet.  Während ich beim Arzt war, haben die Kinder 4 Reihen Kartoffeln mit 72 Pfund ausgegraben. Jetzt sind noch 6 Reihen drin. Insgesamt haben die Kinder bisher 270 Pfund geerntet.  Für jörg habe ich heute beim Geß ein Buch  für Weihnachten bekommen. „Robinson“ heißt es. Für Helga erhalte ich sicher auch noch. Ich soll wieder fragen.  Von Deiner Dienststelle habe ich heute einen Brief erhalten, daß Du wieder bei der Kompanie eingetroffen bist und daß die Verlustmeldung auf einem Irrtum beruht, Gottseidank!  Ich bin doch heute nochmals bestrahlt worden, d.h. mein Fuß. Die vorigen Male habe ich dabei immer die Hände vors Gesicht gehalten, diesmal nicht. Da hats mich aber gebraten. Ganz rot bin ich im Gesicht, nur da nicht, wo die Brille gesessen hat. Es sieht lustig aus Schaden kann so ein bißchen Sonne ja nichts.  Nun ist die Schlafenszeit wieder da. Ich will Dir darum noch viele, viele Grüße und Küsse schicken und bin immer 

Deine Annie.

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