Mein liebster Ernst
! 30.10.44
In meinem vorigen
Brief habe ich ja kurz berichtet, daß wir das Päckchen Nr. 3 erhalten haben und
daß ich die Schokolade und die Bonbons gleich weggetan habe, damit ich sie zu
Weihnachten hervorholen kann. Ich möchte Dir auch jetzt nochmals für diese
Sachen danken. Die Karte von Wittenburg
habe ich Dir im vorigen Brief auch mitgeschickt. Zur Vorsicht habe ich sie
abgeschrieben, falls Du diesen nicht erhalten solltest. Am Nachmittag war ich wieder beim nähen. Es
war heute eine Estin da, die auch geflüchtet war. Im Gespräch sagte sie
uns:“Man kann alles ertragen, nur nicht die bolschewisten.“ Auf die Frage, ob
sie so schlimm seien, wie immer geschrieben wird, sagte sie:“viel schlimmer.“
Sie erzählte dann verschiedene Sachen und ma kann nur sagen, lieber alles
andere, nur die Bolschewisten sollen nicht ins Land kommen. Man hat es ja auch
wieder gesehen, wie sie in Ostpreußen gehaust haben. Als ich heim kam, hatte Helga ein Stück im Garten umgegraben. Das
war doch sehr lieb, nicht wahr. Übrigens haben mich heute Jörg und Helga im Z.
besucht, Jörg gegen ½ 4, Helga um 5 Uhr, als sie mich abholte. Bei Beiden haben
die Leute gesagt, unsere Kinder wären schöne Kinder. Da hieß es „das ist ein
netter Bub“, „Das ist ein nettes Mädel“ und zuletzt meinte eine Frau „was haben
sie doch für schöne Kinder.“ Na, was sagst Du nun? Im Ga rten sind die Dahlien jetzt kaputt gegangen, denn wir
hatten den ersten Reif. Ich werde sie nun abschneiden und bald versorgen. Von Siegfried erhielt ich heute eine Karte.
Er schreibst, daß er wieder im Einsatz sei, wo es ganz nett hergehe. Er fragt
auch nach Dir. Er habe Dir eine Karte geschrieben, aber noch keine Antwort
erhalten. Inzwischen wird er ja die Karte bekommen haben, die Du durch mich
weggeschickt hast. Sonst ist heute
eigentlich nichts Neues zu berichten. Laß mich deshalb jetzt aufhören. Ich
grüße und küsse Dich wieder ganz fest und herzlich und bin immer
Deine
Annie.
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