Mein liebster Ernst! Konstanz,
26.7.42
Nun haben wir Erna hier. Wir waren am Bahnhof und sind
gleich mit dem 12 Uhr Zug bis Petershausen zurück gefahren. So hatten wir nur
einen kurzen Weg und brauchten keinen Wagen. Wir haben bald Mittag gegessen und
dann haben wir uns erzählt und sind mal in den Garten gegangen. Nun schreibt
Erna an Siegfried und ich schreib an Dich. Wir wollen den Brief ½ 5 noch zum
Kasten bringen.
Als wir am Nachmittag fortgehen wollten, kam gerade dein
lieber Brief vom 14.7. Ich habe ihn gleich mitgenommen und unterwegs gelesen.
Über Deine Verwechslung mit den Holzkläpperlen habe ich nun auch lachen müssen.
Diese Dinger sind ja auch ein Kriegserzeugnis, also ist es schon gut entschuldbar,
wenn du damit nicht Bescheid weißt. Viel Freude erlebt man ja nicht mit den
Kläpperlen, denn die halbe Zeit sind sie kaputt, aber es ist das einzige
Bezugsscheinfreie. Die anderen leichten Schuhe bekommt man nur auf Bezugsschein
II. Aber dazu haben die Kinder noch zu viele feste
Schuhe.
Mit den Beeren ist es nun bald ganz Schluß. Das große
Bäumchen hatte 13-14 Pfund Beeren. Beim kleinen haben wir ca. 7 Pfund gepflückt
und die anderen sind noch dran. Beim Vorbeigehen holen sich die Kinder, und
auch ich, immer mal ein paar. Das schmeckt a besten. Zum Zustutzen der
Sträucher wäre es gut, wenn Du hier wärst. Ich kenn mich da nicht aus und weiß
nicht, was ich wegschneiden soll.
Erna hat mir heute von Alice´s Vater erzählt. Dieser Mann ist
6 Jahre mit Mama gegangen. Er hat gesagt, wie oft er es bereut hätte, Mama
damals nicht geheiratet zu haben. Es sei eine Jugendtorheit gewesen, die er
bitter bereut habe und die doch nicht mehr gutzumachen sei. Seine Frau sei auch
gut gewesen, aber eine Mathilde sei es doch nicht gewesen. Mit ihr wäre er
bestimmt mehr vorangekommen. Seine Frau hat es in der Erziehung der Kinder, er
hat drei, manchmal fehlen lassen. Sie hat ihnen Geld zugesteckt usw., von dem
er nichts wissen durfte. Mama sei auch früher schon so gut gewesen. Darum hätte
er Mama auch jetzt noch geheiratet, nachdem seine Frau gestorben sei.
Gestern kam dein Päckchen Nr.14 an. Leider war das Brot
nicht mehr gut. Es tut einem immer leid. Aber es lässt sich nicht ändern.
Freuen tut es mich aber doch, dass du immer so lieb an uns denkst.
Nun laß mich schließen. Morgen schreibe ich ja wieder, du
lieber, lieber, guter ernst. Ich grüße und küsse Dich recht herzlich Deine
Annie.
Auch von mir recht
herzliche Grüße, Deine Schwägerin Erna.
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