Mein liebster Ernst! Konstanz,
21.7.42
Eigentlich wollte ich heute Abend gar nicht mehr schreiben,
aber es lässt mir keine Ruhe. Du wirst fragen, warum ich bei Tag nicht
geschrieben habe. Da ging es nicht, du lieber Kerl. Ich habe fest genäht. Ich
hatte doch ein Dirndlkleid (wie beiliegendes Muster). Das konnte ich nicht mehr
anziehen, weil das Oberteil kaputt war. Der Rock war aber noch gut. Da habe ich
für Helga noch ein Kleid draus gemacht. Dazu habe ich ihr gleich noch eine
weiße Bluse mit Puffärmeln und grünem Durchzugsband genäht. Helga sieht in dem
Kleid so frisch aus, dass ich meine Freude dran habe. Etwas Unnützes hängt
nicht mehr rum und was Nützliches ist draus geworden. Gestopft und ausgebessert
habe ich auch noch. Damit wird man ja nie fertig, immer kommt etwas Neues
hinzu.
Das Wetter war heute auch nicht besonders. Meist Regen. Erst
waren die Kinder oben, aber als das Wetter ein wenig aufhellte, habe ich sie
rausgeschickt. Das ist ja eine Rasselbande. Sie stecken voller Übermut und
Rauflust. Bei der Rumbalgerei wird das Regal weggestoßen, alles liegt
kunterbunt durcheinander, man schwebt dauernd in Angst, sie rennen sich die
Köpfe ein. Unten im Garten hebt sich Jörg die kleinen, heruntergefallenen Äpfel
auf und ißt sie mit Appetit. Er findet, sie schmecken prima. Gegen drei von den
Äpfeln hat er vor einigen Tagen zwei Fliegerhefte eingetauscht, die er gerne
haben wollte. Die Äpfel waren ja für ihn leicht zu beschaffen.
22.7.
Heute hat sich das Wetter etwas gebessert. Da bin ich gleich
am Morgen, als Helga noch schlief, mit Jörg in den Garten gegangen. Wir haben
Tomaten angebunden und sonst sauber gemacht. Es hängen schon viele Tomaten an
den Stöcken. Auch Gurken wird es viel geben. Die Pflanzen hängen voll Blüten
und auch kleine Gurken hängen schon dran. Die ersten Stangenbohnen gibt es
auch, das Kraut köpfelt sich überall. Also im Allgemeinen steht alles schön da.
Nachher will ich in´s Kino gehen. Die Kinder holen mich ab
und kaufen inzwischen was für meinen Geburtstag ein. Sie wollten schon
vorgestern gehen, aber da war es nichts geworden durch den Regen.
Der Briefträger hat mich heute wieder vergessen und hat mir
nichts gebracht.
Nun laß mich schließen, damit ich mich noch fertig machen
kann. Wahrscheinlich schreibe ich heute Abend noch.
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