Mein
lieber Mann! Konstanz, 23.12.41
Viele
liebe Grüße habe ich heute von Dir erhalten. Deinen Weihnachtsbrief, den Brief
vom 19.12. und das Päckchen 41. Über alles habe ich mich sehr gefreut. Beim
lesen Deines Weihnachtsbriefes habe ich die vergangenen Weihnachtsfeste direkt
noch einmal erlebt. Es ist, wie Du schreibst, mit jedem Weihnachtsfest hatte
sich unsere wirtschaftliche Lage etwas verbessert. Es erfüllt mich aber immer
wieder mit Freude, daß wir auch in der schlechtesten Zeit nicht unzufrieden
waren und uns mit Klagen das Leben schwer gemacht haben.
Eine
wirkliche Überraschung hast Du mir bereitet, indem Du mir mitteilst, daß Du zum
K.V.Assistenten ernannt worden bist. Das freut mich aber. Nun hatte doch Deine
Mühe im Frühjahr auch dort einen Zweck. Fein ist das.
Du
mußt keine Angst haben, daß ich den Kindern ihre Weihnachtsfreude verderbe. Ich
weiß, daß es mir hart ist, ohne Dich das Fest zu verleben, aber das mache ich
mit mir allein aus. Die Kinder sollen unbeschwert fröhlich sein können. Sie
freuen sich ja schon so lange darauf. Ich habe schon alles soweit vorbereite.
Auch den Weihnachtsbaum habe ich heute am Vormittag schon geputzt. Der Kuchen
für Vater, ein Gewürzkuchen, ist auch schon gebacken, eingekauft habe ich auch.
Da gibt es morgen gar keine Hetzerei und wir können vorher noch ein bißchen
zusammen singen, spielen und von Weihnachten erzählen.
Meine
Gedanken richten sich auch schon wieder auf Deinen Urlaub, der ja, wenn alles
glatt geht, nicht mehr in allzu weiter Ferne liegt.
Da
muß ich Dich gerade noch etwas fragen. Ich habe hier noch eine Kleinigkeit für
Dich zu Weihnachten gekauft und wollte es Dir gleich nach den Feiertagen
zuschicken. Nun ist aber die Feldpostsperre bis 4.1. verlängert worden. Soll
ich es Dir nun nachher noch zuschicken, oder soll ich bis zum Urlaub warten?
Und soll ich die verschiedenen Kartonstücken noch hinschicken?
Du
hast ja wieder verschiedene Päckchen auf den Weg gebracht. Sag mal, behältst Du
denn auch genügend Mandarinen für Dich dort? Du sollst doch nicht nur uns damit
versorgen. Das Puddingpulver hast Du auch nicht vergessen. Ich muß schon sagen,
Du machst Dir viel Mühe wegen uns und siehst zu, daß Du etwas für uns bekommst.
Ich möchte Dir immer wieder dafür danken.
Die
Puppen für Helga sind ja nun vorhin mit dem Päckchen auch noch rechtzeitig
angekommen. Das freut mich und doch Dich auch. Sie gefallen mir gut und Helga
wird eine große Freude damit haben. Das Buch „Sperrfeuer um Deutschland“ werde
ich in nächster Zeit auch mit lesen.
Die
Bücher von Papa habe ich nun doch nicht vorher ansehen brauchen. Ich habe sie
mit geschlossenen Augen ausgepackt, habe die erste leere Seite aufgeschlagen,
auf der die Widmung steht. Danach sind die 4 großen Bücher für uns Beide, bzw.
für mich bestimmt. Nachdem ich das wußte, habe ich sie mit der Rückseite nach
vorn auf meinen Weihnachtstisch gestellt und kann mich nun morgen noch
überraschen lassen. Die Kinder wollen mich ja auch noch beschenken. Da werde
ich nachher zu staunen haben.
Ich
stelle mich vielleicht dumm an, aber ich weiß nicht genau, was ich Dir für
Unterlagen von der Ahnenforschung schicken soll. Mehrere Schreiben? Vielleicht
kannst Du mir an Hand des Ahnenpasses, den Du ja noch dort hast, schreiben, was
Du brauchst. Etwas Größeres könnte ich jetzt nicht schicken, da die Briefe nur
50 g wiegen dürfen.
Der
Schinken ist noch nicht schlecht. Ich habe ihn immer am offenen Fenster liegen.
Jetzt, über Weihnachten, werden wir auch wieder davon essen. Zu teuer hast Du
ihn damals bestimmt nicht bezahlt.
Ich
gehe nachher noch mit den Kindern in die Stadt. Erst wollen wir die Photos
abholen, die ich von den Kindern gemacht habe. Wenn sie etwas geworden sind,
schicke ich sie Dir mit. Hinterher bringen wir den Brief noch auf die Post in
der Stadt da Jörg so gern einmal den brennenden Baum auf der Marktstätte sehen
möchte. Diesen Wunsch kann man ihm ja gern erfüllen. Aber ehe wir gehen, muß
ich ihm erst noch seine Trainingshose stopfen, in die er vorhin gerade einen
schönen Dreiangel gerissen hat. O, diese Buben, das sind doch Kerle. Diese
Löcher kommen ja immer ganz von selbst, sie haben gaaaarnichts gemacht. Die
Mädels sind da doch braver, meinst Du nicht auch?
Doch
nun laß mich schließen. Sei recht, recht herzlich gegrüßt und geküßt von Deiner
Anni.
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