Mein lieber Ernst! Konstanz,
28.Juli 1940.
Heute habe ich nicht einmal einen
Brief an Dich fortgeschafft und heute Abend schreibe ich erst an Dich.
Wahrscheinlich wirst Du Dir heute auch überlegt haben, was wir wohl tun.
Nun, wir sind zuhause gewesen.
Zum baden war es zu kalt, trotzdem die Sonne schien. Da hätten wir evtl.
spazieren gehen können, aber es ist so: Ich habe doch jetzt immer ziemlich zu
tun und da bin ich froh, wenn ich mich mal ausruhen kann. Ich weiß nicht, ob es
vom Dehnen beim Lindenblütenpflücken gekommen ist, jedenfalls habe ich heute
zum ersten Mal wieder Schmerzen am Brustbein gehabt, ganz abgesehen von den
Rückenschmerzen, die ich schon gestern davon bekommen habe. Nun habe ich mich
nachmittags von ½2 bis ½4 mal richtig
im Hof von der Sonne bescheinen lassen. Das hat mir ganz gut getan. Dann habe
ich noch einen Rundgang durch den Garten gemacht, die Tomaten wieder ein bißchen
angebunden, auch wieder drei Stück geerntet und im Vorbeigehen ein paar von den
Erdbeeren, die sowieso raus müssen, herausgerissen.
Da ist mir aber doch der Schreck
in die Glieder gefahren. Bei zwei Stöcken war je ein Engerling darunter und bei
einem Stock gleich drei. Und was für große. Morgen will ich die Fläche gleich
umgraben, da bin ich gespannt, wie viel ich da noch finde. Diese Tierchen liebe
ich ja ganz besonders. Sie sehen ja
auch so appetitlich aus.
Heute habe ich die ersten zwei
Pfund Falläpfel zu Apfelmus gekocht. Ich habe es mit Süßstoff gesüßt und es hat
ganz gut geschmeckt. Da werde ich jetzt
öfter welches kochen. Das verwenden wir nachher als Brotaufstrich. Jetzt bekommen wir überhaupt öfter Tomaten.
Morgen oder übermorgen sind wieder 4 bis 5 Stück reif. Hinterm Haus haben wir
jetzt schon ziemlich viel Dahlien, während vorm Haus die Knospen noch nicht auf
sind.
Frau Steinmehl sagte jetzt mal zu
mir, unsere Sachen ständen diesmal viel besser als ihre. Der Saumist sei also
doch gut. Ihr Mann hätte keinen wollen, aber nun würden sie für nächstes Jahr
doch welchen kaufen.
Heute Abend habe ich die Bonboniere
aufgemacht, die Du mir aus Göding geschickt hattest. Ich habe durch 4 geteilt
und schicke Dir auch Deinen Teil, wenn ich einen passenden Karton rausgesucht
habe. Laß Dir‘s gut schmecken. Mich freut‘s so, wenn Du auch etwas davon hast.
Helga und Jörg bekommen ihren Teil zu Jörg‘s Geburtstag.
Vor ein paar Tagen habe ich auf
Wunsch der Kinder wieder mal die „Musik“ vom Speicher holen müssen. Jetzt
werden wieder alle Platten durch gespielt. Aber es gefällt doch immer wieder, man
bekommt es nicht gleich über. Es ist
jetzt ¼ 10 Uhr und ich gehe schlafen. Vom Nichtstun bin ich müd´. Ich will aber
morgen mit frischen Kräften ans schaffen gehen. Gute Nacht, lieber Ernst.
Mein lieber Ernst!
29.Juli
1940
Ich habe heute mit Herrn Kuster
gesprochen, er will mir für Dich und Kurt die Marken vom Deutschen Derby, vom
braunen Band und auch die von Eupen Malmedy mit Sonderstempel besorgen. Er
bestellt sie auch für sich. Ist es so recht?
Von Kurt habe ich ja kein Geld
mehr da, er muß mir´s halt später bezahlen. Teuer sind ja die Marken, die zwei
ersten kosten pro Stück 2,50 M, die Letzeren pro Satz 1M. Ich werde doch bei
Kurt anfragen, ob er bei späteren Marken wieder welche haben will, wenn sie so
viel kosten.
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