Dienstag, 28. Juli 2015

Brief 40 v0m 28./29.7.1940


Mein lieber Ernst!                                                  Konstanz, 28.Juli 1940. 

Heute habe ich nicht einmal einen Brief an Dich fortgeschafft und heute Abend schreibe ich erst an Dich. Wahrscheinlich wirst Du Dir heute auch überlegt haben, was wir wohl tun.
Nun, wir sind zuhause gewesen. Zum baden war es zu kalt, trotzdem die Sonne schien. Da hätten wir evtl. spazieren gehen können, aber es ist so: Ich habe doch jetzt immer ziemlich zu tun und da bin ich froh, wenn ich mich mal ausruhen kann. Ich weiß nicht, ob es vom Dehnen beim Lindenblütenpflücken gekommen ist, jedenfalls habe ich heute zum ersten Mal wieder Schmerzen am Brustbein gehabt, ganz abgesehen von den Rückenschmerzen, die ich schon gestern davon bekommen habe. Nun habe ich mich nachmittags von ½2 bis  ½4 mal richtig im Hof von der Sonne bescheinen lassen. Das hat mir ganz gut getan. Dann habe ich noch einen Rundgang durch den Garten gemacht, die Tomaten wieder ein bißchen angebunden, auch wieder drei Stück geerntet und im Vorbeigehen ein paar von den Erdbeeren, die sowieso raus müssen, herausgerissen.
Da ist mir aber doch der Schreck in die Glieder gefahren. Bei zwei Stöcken war je ein Engerling darunter und bei einem Stock gleich drei. Und was für große. Morgen will ich die Fläche gleich umgraben, da bin ich gespannt, wie viel ich da noch finde. Diese Tierchen liebe ich ja ganz besonders.  Sie sehen ja auch so appetitlich aus. 
Heute habe ich die ersten zwei Pfund Falläpfel zu Apfelmus gekocht. Ich habe es mit Süßstoff gesüßt und es hat ganz gut geschmeckt.  Da werde ich jetzt öfter welches kochen. Das verwenden wir nachher als Brotaufstrich.  Jetzt bekommen wir überhaupt öfter Tomaten. Morgen oder übermorgen sind wieder 4 bis 5 Stück reif. Hinterm Haus haben wir jetzt schon ziemlich viel Dahlien, während vorm Haus die Knospen noch nicht auf sind.  
Frau Steinmehl sagte jetzt mal zu mir, unsere Sachen ständen diesmal viel besser als ihre. Der Saumist sei also doch gut. Ihr Mann hätte keinen wollen, aber nun würden sie für nächstes Jahr doch welchen kaufen. 
Heute Abend habe ich die Bonboniere aufgemacht, die Du mir aus Göding geschickt hattest. Ich habe durch 4 geteilt und schicke Dir auch Deinen Teil, wenn ich einen passenden Karton rausgesucht habe. Laß Dir‘s gut schmecken. Mich freut‘s so, wenn Du auch etwas davon hast. Helga und Jörg bekommen ihren Teil zu Jörg‘s Geburtstag. 
Vor ein paar Tagen habe ich auf Wunsch der Kinder wieder mal die „Musik“ vom Speicher holen müssen. Jetzt werden wieder alle Platten durch gespielt. Aber es gefällt doch immer wieder, man bekommt es nicht gleich über.  Es ist jetzt ¼ 10 Uhr und ich gehe schlafen. Vom Nichtstun bin ich müd´. Ich will aber morgen mit frischen Kräften ans schaffen gehen. Gute Nacht, lieber Ernst. 



 Mein lieber Ernst!                                                                 29.Juli 1940

Ich habe heute mit Herrn Kuster gesprochen, er will mir für Dich und Kurt die Marken vom Deutschen Derby, vom braunen Band und auch die von Eupen Malmedy mit Sonderstempel besorgen. Er bestellt sie auch für sich. Ist es so recht? 
Von Kurt habe ich ja kein Geld mehr da, er muß mir´s halt später bezahlen. Teuer sind ja die Marken, die zwei ersten kosten pro Stück 2,50 M, die Letzeren pro Satz 1M. Ich werde doch bei Kurt anfragen, ob er bei späteren Marken wieder welche haben will, wenn sie so viel kosten.

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