Mein lieber Ernst!
Konstanz, 5.Juli 40.
Vorhin kamen Deine
beiden lieben Briefe vom 3. Juli. Ich habe nun daraus ersehen, daß Du nun nicht
mehr in Köln bist. Ich danke Dir auch dafür, daß Du wieder so oft an mich
geschrieben hast. Du hast ja dort in Köln wenig Post von mir erhalten, ich habe
aber jeden Tag geschrieben. Deine Briefe an mich sind ja meist auch zwei Tage
unterwegs gewesen und so wird es auch mit meinen Briefen gewesen sein. Den
ersten vom Montag hast Du ja erhalten, die anderen hättest Du sicher am
Donnerstag und Freitag bekommen. Ich warte nun, bis ich Deine neue Adresse
weiß.
Soll ich den zwei Herren, die Du mir angegeben hast, auf
Anfrage Deine Adresse auf einer K a r t e
mitteilen? Die Briefmarke werde
ich für Dich und Kurt besorgen. Bis jetzt hat mein Vater keine Briefmarke
geschickt.
(Am Abend.) Ich habe versucht, die Briefmarke zu
bekommen. Die bekommt man aber nur im Hauptamt in Berlin. Weißt Du die Adresse,
wo man da hinschreiben muß?
Meine Gedanken sind heute ganz besonders bei Dir, da ich nun
weiß, daß Du unterwegs bist. Vor Montag/Dienstag werde ich ja kaum Bescheid von
Dir haben. Ich hoffe mit Dir, daß es eine glückliche Vorbedeutung ist, daß Du
gerade an Deinem Geburtstag fahren mußtest. Hoffentlich war die Fahrt nicht gar
so umständlich. Ich freue mich schon wieder auf Deinen Brief. Du glaubst
garnicht, mit welcher Sehnsucht ich immer eine Nachricht von Dir erwarte. Meine
Gedanken suchen Dich immer. Du bist ja so lieb und hast mir immer regelmäßig
geschrieben. Dafür kann ich Dir gar nicht genug danken.
Heute habe ich wieder im Garten geschafft. Die
Erdbeerpflanzen habe ich jetzt alle gehackt, also das Unkraut entfernt. Jetzt
könnte ich Dir auch diese mit Stolz zeigen. Es war ja eine Heidenarbeit, aber
jetzt habe ich es geschafft. Es war ja zwischen den Erdbeeren viel Unkraut,
aber während der Ernte konnte ich ja nichts machen. Nun habe ich mich aber
gleich dahintergesetzt, denn wenn das Zeug erst blüht, dann wäre ich ja gar nicht
mehr Herr über das Unkraut geworden.
Bis über den Sonntag ist der Garten nun in Ordnung und dann fange ich
wieder an. Es hat dieses Jahr 4 Pfund
Johannisbeeren gegeben. Voriges Jahr war die Ernte 1 ½ Pfund. Doch schon ein
Fortschritt.
Gestern hat uns Vater schon zum zweiten Mal ein paar Pfund
Erdbeeren gebracht. Wenn er kommt, lese ich ihm immer die Stellen aus Deinen
Briefen vor, die ihn auch interessieren. Er freut sich jedes Mal, wenn wieder
ein Brief kommt. Der Film „Zwei Welten“
ist hier schon einmal gespielt worden.
Vielleicht kommt er nochmal. Aber ob ich abends allein fort gehen kann?
6.7.
Nun ist auch der Samstag schon wieder vorbei.
Im Garten habe ich heute nicht geschafft, sondern nur
geerntet. Ich habe für morgen zwei Pfund Erbsen abgemacht und habe Möhren
geholt. Da habe ich noch das Kraut dran gelassen, infolgedessen habe ich sie
noch nicht wiegen können. Es sind schöne große Möhren. Wenn alle so groß sind, gibt es ziemlich
aus.
Da es diesen Monat Quark ohne Marken gibt, habe ich für
morgen einen Quarkkuchen gebacken. Für Dich habe ich kleines Gebäck gebacken,
weil ich noch nicht weiß, ob ich größere Päckchen an Dich schicken kann oder
nur welche bis 250 g. Da kann ich‘s besser verteilen. Du wirst mir doch nicht
böse wegen des Gebäcks sein?
Ein paar Stück werde ich an Kurt schicken, denn wir haben ja
meinem Bruder früher auch Päckchen geschickt, da soll Dein Bruder auch nicht
ganz stiefmütterlich behandelt werden.
Laß Dir das Gebäck gut schmecken, mein lieber, lieber
Ernst!
Heute Abend haben wir noch gebadet und nun ist auch für mich
Feierabend, unsere zwei Kerlchen schlafen.
Ich habe heute auch wieder ein viertel Pfund Pralinen bekommen. Die
schicke ich Dir auch bald, denn dort wirst Du so etwas wohl nicht bekommen. Ich
kann mir natürlich kein rechtes Bild von den Verhältnissen dort mache. Auf
Deiner Fahrt nach Lille wirst Du ja mancherlei gesehen haben, denn Du wirst
auch durch zerstörte Gebiete gekommen sein.
In Deinem kommenden Brief wirst Du mir ja sicher auch mitteilen, wo Du
untergebracht bist, denn das interessiert mich sehr. Ebenso wie und wo Du
verpflegt wirst.
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