Sonntag, 9. April 2017

Brief 312 vom 8.4.1942


Mein liebster Ernst !                                                    Konstanz, 8.4.42 

Heute habe ich eigentlich nicht viel zu berichten. Einen Brief habe ich von dir nicht bekommen. Dafür aber das restliche Päckchen Nr.34 mit dem Zwieback und Marmelade und Bonbons. Jetzt habe ich also alle Sendungen von dir bekommen. Ich habe alles gut versorgt, denn wir essen es ja jetzt noch nicht, sondern erst, wenn es mal knapp zugeht, dass wir etwas zum zusetzen haben.
Gestern konnte ich zwei Päckchen Möhrensamen und zwei Päckchen Radieschen bekommen. Wenn du nun noch das schickst, was du bekommen hast, so wird es mir reichen, evtl. kann ich für nächstes Jahr etwas aufheben, denn da wird es sicher genau so knapp zugehen.
Es regnet heute immer, da mache ich nichts im Garten und setzte mich dafür an´s stopfen. Da ist das dann auch wieder erledigt.
Heute früh hatten wir ein kleines Erlebnis. Jörg stand gerade mit mir am Fenster, um den Staren zuzusehen. Auf einmal schepperte ganz stark der Draht auf dem Trockenplatz, ohne dass jemand dort stand. Als wir hinschauten, sahen wir gerade noch einen kleinen Vogel in´s Gras fallen. Er war vom Baum im schnellen Flug gegen den Draht geflogen. Er rührte sich nicht und wir meinten schon, er sei tot. Als wir dann nach einer Weile runter gingen, saß e noch ganz betäubt da. Erst nach einer Weile flog er davon. Wir haben uns sehr gefreut, dass er wieder munter war.
Ich sende dir heute eine kleine Skizze von der Garteneinteilung mit. Ich denke, dass es dich interessiert.
Nun laß mich schließen. Sei recht herzlich gegrüßt und geküsst von deiner Annie.

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