Mein
liebster Ernst! Konstanz,
den 25.2.43
Gestern
habe ich Dir zwei Briefe geschrieben, die in der Hauptsache sich um Deine Frage
drehen, die Du mir bzgl. des Antrags auf Verwendung im Ersatzheer gestellt
hast. Glaub mir, es ist mir nicht leicht gefallen, Dir nicht restlos zustimmen
zu können. Aber ich konnte nicht anders, Du wirst mich sicher verstehen. Ich
habe Dir ja auch geschrieben, dass ich Dir bestimmt keine Vorschriften machen
will und dass die letzte Entscheidung ja doch bei Dir liegt. Glaub mir Ernst,
das Herz ist mir jetzt immer schwer, und die Zeit ist ja auch schwer. Ich sorge
mich immer um Dich und würde mich, wenn Du zum Heer müsstest noch mehr sorgen,
aber wir müssen ja unsere Pflicht tun und dürfen nicht schwach werden. Das muss
ich auch immer wieder zu mir sagen. Stalingrad und jetzt der Tod von Kurt haben
mich ganz durcheinander gerüttelt. Man las wohl in der Zeitung, dieser oder
jener ist gefallen, aber es betraf nicht die eigene Familie und da kann man es doch nicht so mitfühlen. Jetzt ist das
anders, die Todesnachricht kam so plötzlich. Als wir Kurt zum letzten Mal zur Bahn
brachten, dachte ich noch so, er wird schon wiederkommen, es ist ja bisher
immer noch gut abgegangen. Nun kam es doch anders. Du wirst sicher verstehen
können, dass meine Sorge um Dich um vieles größer geworden ist. Alle meine
Gedanken gipfeln in der Bitte, dass Du immer gesund wieder heimkommen mögest.
Mit meiner Sorge ist aber auch der Wille größer geworden, alles zu tun, was in
meinen Kräften steht um mitzuhelfen. Vielleicht erreicht der Krieg, wenn alle
ihr Möglichstes tun, doch eher sein Ende.
Gestern
Abend war Vater noch hier. Ich habe mit ihm die Sache wegen der Grabsteine für
Deine Mutter und Walter besprochen. Papa hatte mir doch gestern geschrieben,
einen Durchschlag davon hat er an Dich geschickt. Vater hat sich noch nicht
entschieden. Er will sich noch überlegen. Gerade, als Vater heimgehen wollte,
heulte die Sirene los. Er ist dann hier geblieben bis ½ 1 Uhr Entwarnung war.
Um 1 Uhr lag ich dann im Bett. Leider hatten wir von 2 bis ½ 3 Uhr nochmals
Alarm. Hinterher habe ich dann aber fest geschlafen. Während des Alarms hatte
ich für Helga den Liegestuhl und für Jörg die Kinderbettmatratze rauf geholt.
Da haben sie solange geschlafen. In den Keller sind wir nicht gegangen, da man
keine Flieger hörte.
Heute
waren wir wieder baden. Es ist immer sehr erfrischend und lenkt auch ein wenig
ab. Ich bin wieder ziemlich geschwommen. Helga springt am liebsten jetzt immer
von der Seite ins Wasser. Das macht ihr viel Freude. Jörg übt auch immer das
schwimmen. Bis zum Sommer mag er es ganz fest können. Lieber Ernst, von dem
Weihnachtsgeld, das Du mir geschickt hattest, habe ich mir in letzter Zeit noch
1 Paar Strümpfe und ein Sträußchen Ansteckblumen für meinen leichten, blauen
Mantel gekauft. Ich habe jetzt noch 41 Mk. hier.
Nach
den neuen Einschränkungen im Feldpostverkehr kann ich Dir nun gar keine
Zeitungen mehr senden. Ich habe mich heute extra nochmals deshalb auf der Post
erkundigt. Nur vom Verleger aus können sie scheinbar geschickt werden. Da
vielleicht die Sperre nicht so lange anhält, werde ich die Zeitungen aufheben
und sie Dir dann später zusammen schicken.
Diesen
Monat habe ich nun auch die Briefmarken zusammen, die ich Dir schenken wollte.
Die Führermarke zu 1 Mk, 2 Mk, 3 Mk und 5 Mk. Ich hatte im letzten Urlaub davon
gesprochen. Es sind alles Randstücke. Die zu 1 und 2 Mk hatte ich schon zu
Weihnachten hier und wollte sie Dir schenken, aber ich hatte es vergessen, zu
schreiben. Papa hat Dir ja jetzt auch die Marken vom 30. Jan. und eine neue 3
Pfg.-Marke geschickt. Ich habe sie mit versorgt.
Nun
lass mich schließen. Es ist jetzt 11 Uhr. Ich habe heute nochmals wegen der
Kohlen nachgefragt, weil sie so lange nicht kommen. Nun sind sie mir für
morgenfrüh versprochen worden. Da habe ich dann mit dem schichten ziemlich zu
tun und will mich vorher noch richtig ausruhen.
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