Mein
liebster Ernst! Konstanz, 12.2.1943
Gestern
habe ich es doch einmal gepackt und bin zeitig ins Bett gegangen. Fein habe ich
ausschlafen können. Am Vormittag bin ich heute in die Stadt gefahren. Vor allen
Dingen habe ich die Danksagung bei der Zeitung aufgegeben. Es sind viele Karten
gekommen, und es würde viel Arbeit machen, sie alle einzeln zu beantworten. So
ist es besser. Man konnte mir aber nicht genau versprechen, ob sie morgen in
die Zeitung kommt. Sonst am Montag.
Ich
bin dann zurück gefahren und habe Verschiedenes eingekauft. Vor allem habe ich
mich auf dem Hindenburgplatz nach Fisch angestellt. Es gab pro Person 1 Dose
norwegische Sprotten in Öl und Tomaten.
Am
Nachmittag war ich daheim und habe gebacken, etwas Kleingebäck zum Aufheben,
damit ich immer etwas da habe. Die Kinder waren beim Turnen. Erst wollte sich
Jörg ja wieder drücken, aber dann haben sie den Richard überredet, dass er auch
mit Turnen geht. Da sind sie dann zu Dritt losgezogen. Wenn Jörg weiß, dass der
Richard nicht spielen kann, wenn er turnen gehen muss, ist es natürlich gleich
was anderes. Da ist das Turnen wieder schön.
Gestern
waren wir wieder Schwimmen. Das war fein. Nur kam mir das Wasser gestern
ziemlich kühl vor. Da habe ich mich zum Schluss nochmals unter die heiße Dusche
gestellt, bis ich ganz durchwärmt war.
13.2.1943
Bevor
ich nachher fortfahre, will ich noch fertig schreiben. Die Danksagung ist heute
doch in der Zeitung drin. Ich will sehen, dass ich nochmal eine Zeitung
bekomme, dann schneide ich Dir die Danksagung raus und schicke sie mit.
Heute
Nacht hat es ganz schlimm gestürmt und geregnet. Wenn dieses Wetter an die
Ostfront kommt, so erschwert das die Kampfhandlungen auch wieder sehr. Was doch Soldaten alles aushalten müssen. Die
Kämpfe müssen ja jetzt furchtbar schwer sein.
Nun
muss ich leider schon mit schreiben aufhören. Ich muss schnell in die Stadt
fahren, damit ich bis 9 Uhr, wo Jörg in die Schule muss, wieder daheim bin. Der
Installateur hatte mir vorgestern versprochen, gestern Morgen würden sie den
Drücker für das Klosett wieder bringen. Aber nichts war´s. Da muss ich nun auch
heute den ganzen Vormittag wieder daheim bleiben. Für heute Nachmittag haben
mich die Kinder gebeten, dass ich nochmals mit ihnen in den Film „Die große
Nummer“ gehe. Leider bekomme ich nachmittags keine Zeitung und kein Fleisch
mehr, sonst brauchte ich jetzt gar nicht wegfahren. Aber zum Sonntag wollen wir
doch ein wenig Fleisch haben.
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