25.6.
Ach Ernst, ich bin in ziemlichen
Schwierigkeiten. Meine Eltern hatten doch geschrieben, wir sollten sie
besuchen. Ich hatte ja darauf geantwortet, daß es nicht ginge. Nun hatte ich
aber erwähnt, daß es im August eher gegangen wäre, daß sie ja da aber verreisen.
Heute erhalte ich nun von meiner Mutter eine Karte, daß wir doch dann im August
kommen sollen, sie würden dann nicht fortfahren. Das ist ja schon ein
ziemliches Opfer, das sie da bringen. Ich habe niemals daran gedacht, daß sie
wegen uns die Reise aufgeben würden. Wenn ich Dich nur da hätte, daß ich Dich
um Rat fragen könnte. Einesteils würde ich mit den Kindern ganz gern hinfahren,
nachdem ich sehe, daß ihnen soviel daran liegt. Andernteils weiß ich nun gar nicht,
ob es Dir auch recht ist, denn es kostet doch ziemlich viel. Das Geld hätte ich
ja zusammen, ohne daß ich von der Kasse etwas holen brauchte. Ich würde ja vor
allen Dingen meine Mutter ganz gern einmal sehen, denn sie ist auch schon älter
und man weiß nicht, wie lange man sie noch hat. Meine Eltern möchten nun gleich
Bescheid, damit sie ihre Reise absagen. Ich möchte nun schreiben, daß wir am
26.7. hier fortfahren und auf 14 Tage hinkommen würden. Wenn ich nur wüßte, ob
Du mir nicht böse bist. Ich habe richtige Angst davor. Ach, lieber Ernst, sei
bitte nicht böse, daß ich so selbständig handle, aber ich habe jetzt einfach
keine Möglichkeit, mich mit Dir zu beraten. Und nun besteht auch noch die
Postsperre. Da kannst Du mir noch viel später Bescheid geben, ob Du mit allem
einverstanden bist. Ich war auch ein Esel, daß ich geschrieben habe, daß es im
August besser gepaßt hätte, aber ich weiß jetzt wirklich nicht, was ich als
Ausrede schreiben sollte. Ach Ernst, die größte Sorge macht mir, was Du dazu
sagst, daß wir so einfach fortfahren
und Dein Geld dabei so einfach ausgeben. Hoffentlich kommst Du nicht
gerade während dieser 14 Tage auf Urlaub, denn ich möchte alle Urlaubstage mit
Dir verbringen und es würde mich ewig reuen, wenn ich einen davon versäumen würde.
Wenn ich nur schon Bescheid von Dir hätte. Das quält mich jetzt sehr. Wenn ich
nur eine Möglichkeit sehen würde, daß ich mit Dir reden könnte, ehe ich an die
Eltern schreibe. Aber es geht einfach nicht. Was wirst du wohl von mir denken,
daß ich so einfach verreisen will. Meine Gedanken gehen wie ein Mühlrad im Kopf
herum. Am begeistertsten sind die Kinder. Die würden am liebsten schon morgen
fahren. Ehe ich nicht weiß, wie Du zu der Angelegenheit stehst, kann ich mich
noch gar nicht darauf freuen. Ich verstehe natürlich, daß die Eltern gern
wieder einmal die Kinder sehen möchten, sie haben ja bisher nicht viel von
ihnen gehabt. Aber wenn ich wüßte, Dir wäre es nicht recht, würde ich nicht
fahren. Ich bitte Dich, lieber Ernst, sei mir bitte nicht so sehr böse. Ich
werde schon zusehen, daß ich das Geld wieder herein bekomme. Es ist mir
schrecklich, daß ich es jetzt selber entscheiden muß, daß wir fahren. Aber wenn
die Postsperre auch nur eine Woche dauern würde, könntest Du mir doch erst kurz
vor der Reise Bescheid geben und dann ist es für die Eltern schon zu spät.
Weißt Du, ich habe direkt ein bißchen
Angst, fortzufahren. Hier in unserer Wohnung ist mir alles so vertraut und so
vieles erinnert an Dich. Das werde ich alles sehr vermissen.
26.6.
Heute erhielt ich gleich 2 Briefe von Dir.
Das war eine Freude. Sie sind vom 18. und 21.6.
Mit den Schuhen für mich hast Du viel
Lauferei. Bei den Kindern hat es so schön geklappt. Dir wird dadurch bald das
ganze kaufen verleidet sein.
Du wirst sicher nicht böse sein, wenn Du
früh nicht mit antreten mußt.
Ich habe mich jetzt schon oft daran
erinnert, wie wir miteinander so weit geschwommen sind. Das war immer so schön.
Ich kann es ja dieses Jahr auch nicht. Mit ist schon der Weg zu weit und mit
dem schwimmen würde ich sicher nicht weit kommen. Ich habe es aber doch
insoweit gut, daß ich keine dicke Uniform anhaben muß. Ich kann es mir doch
leicht machen. Die Soldaten, die jetzt in Rußland kämpfen müssen, haben es ja
am schwersten. Man glaubt gar nicht, daß das ein Mensch aushalten kann, bei dieser
Hitze marschieren und kämpfen.
27.6.
Gestern kam auf einmal der Maler
und sagte, daß heute Morgen die Küche gestrichen wird. Ich hatte schon längst
nicht mehr damit gerechnet. Das hat nun gestern eine Räumerei gegeben. Den
Schrank habe ich ja in der Küche gelassen. Heute Morgen ging es nun los. Das
sieht schön aus. Den ganzen Tag habe ich aufputzen müssen. Jetzt, am Mittag,
ist 3/4 der Küche abgewaschen und abgeschabt. Bis heute Abend wird
wahrscheinlich die Küche geweißt sein. Ich bin ja froh, wenn die Malerei vorbei
ist. Bei der vielen Putzerei und Räumerei merke ich wieder, daß ich noch nicht
ganz gesund bin. Ich bin ganz müd.
Heute haben wir beim Holen der
Lebensmittelkarten einen Schein mitbekommen, da müssen wir ausfüllen, wie viele
Räder man hat und zu was man sie braucht. Soviel ich gehört habe, muß man evtl.
die Räder oder die Bereifung abgeben.
Es ist nun Abend geworden, Gott sei Dank.
Das Schlimmste ist nun vorbei. Die Decke ist geweißt, der Sockel und die Türen
sind zum ersten Mal gestrichen. Bis morgen Mittag soll alles fertig sein. Schön
wird ja die Küche, das sieht man schon jetzt.
Bei uns war es die letzten Tage sehr heiß.
Da hat es vorgestern Abend und gestern
Nachmittag Gewitter gegeben. Dabei hat es ausgiebig geregnet. Das ist eine große Erleichterung, da brauche ich nicht
jeden Tag gießen. Ich habe die Gelegenheit auch benutzt, um Kohlrabi, Weißkraut
und Rotkraut zu setzen. Einen Teil hatten mir ja vorher schon Leimenstolls
gesetzt. Die Tomaten wachsen jetzt auch gut, ebenso die anderen Sachen. In den
nächsten Tagen kann ich im Garten schon
Erbsen holen. Heute sind bei den Brombeeren die allerersten Blüten aufgegangen.
Bis jetzt haben wir ca. 8 Pfund Erdbeeren
geerntet. Wir haben die letzten Tage abends Erdbeeren mit Milch gegessen. Das schmeckt!
Dein Geburtstag kommt immer näher und wir
können Dir einfach nichts schicken, solange die Postsperre besteht. So mußt Du
Deinen Geburtstag sicher ohne einen Gruß aus der Heimat verbringen.
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