Mein lieber
Mann! Konstanz, 21.Aug.40 abends
Ich habe heute Abend nochmals meine Finanzen
überrechnet und mit Freude gesehen, daß ich Dir statt 30,- 40.-Mk schicken
kann. Du bist mir doch nicht böse darüber. Sieh mal, das Geld, das ich hier
bekomme, ist doch eigentlich Dein Geld, welches ich als Deine Frau verwalte.
Und weißt Du, so richtig froh bin ich doch nur, wenn ich weiß, daß Du auch
keine Sorgen hast, während es uns hier auch gut geht. So hast Du doch Deinen
Anzug gleich gezahlt und kannst über Dein Geld, das Du noch bekommst, frei
verfügen. Ich wäre sehr froh, wenn du Dich über das Geld, welches ich Dir
schicke, ein bißchen freuen würdest.
Nun will ich erst
mal schlafen gehen. morgen Vormittag
schreibe ich weiter.
Gute Nacht, mein
lieb er Ernst!
22. August
Mein lieber Ernst!
Heute kam keine Post und ich habe auch keine erwartet, denn ich bin ja in den
letzten Tagen so sehr verwöhnt worden. Vier Briefe und sieben Pakete, was sagst
Du dazu?
Heute ist wieder,
wie die letzten Tage, Regenwetter und kühl ist es dabei, puh, da ist man schon
ganz gern in der Wohnung.
Mit den Bohnen geht
es jetzt bald zu Ende. Ich habe noch einen halben Topf Salzbohnen einmachen
können. Feuerbohnen hat es noch ein paar, aber die will ich so zum Mittagessen
kochen. Bis jetzt habe ich im ganzen 34 Pfund Kartoffeln raus gemacht. Die sind
so schön mehlig, daß ich jetzt schon Kartoffelbrei und Kartoffelpuffer davon
machen kann. Das freut mich deshalb besonders, weil ich dadurch zum Abendbrot
etwas Brot sparen kann, denn wenn wir nur Brot essen würden, dann reichte es ja
nicht, denn vor allen Dingen Jörg haut fest rein. Kaum habe ich geschrieben, daß heute kein Brief von Dir kam, traf
heute Nachmittag doch noch einer ein, vom 16.
Übrigens mußt Du
entschuldigen, ich habe mich noch gar nicht für das Persil und Lux bedankt.
Auch darüber habe ich mich sehr gefreut. Ich sehe immer wieder, daß Du
jederzeit an uns denkst. Sehr leid tut es mir, daß Du so sehr unregelmäßig Post
erhältst, denn ich schreibe ja eigentlich deshalb jeden Tag, damit Du jeden Tag
einen Gruß erhältst.
Ich habe auch
gelesen, daß Ihr dort Fliegerbesuch hattet. Sei nur vorsichtig, daß Dir durch
solche Sprengstücke, wie sie bei Dir durch die Bäume geflogen sind, nicht
einmal etwas passiert. Heute erhielt ich von den Eltern eine Karte, daß sie auf
einen Brief warten, und daß sie gern wüßten, was wir alles unternommen haben,
als Siegfried hier war. Ich habe nun heute gleich geschrieben, ebenso an
Siegfried. Die Durchschläge füge ich bei.
Ebenso bekam ich
eine Trauerkarte von Frau Diez, daß ihr Mann am 11.August gestorben ist, nach
vollendetem 80. Lebensjahr. Ich besorge mir heute noch eine Beileidskarte.
Ich habe heute mal
ein bißchen Feuer gemacht, nicht viel , aber es ist gleich sehr gemütlich. Der
starke Wind macht es so kühl, denn es zieht überall durch. Außerdem wirft er
natürlich auch Äpfel runter, der schlechte Kerl. Heute habe ich wieder 4 Pfund
aufgelesen.
Da Vater die ganze
Woche noch nicht da war, fahre ich nachher, wenn ich den Brief fortgebracht
habe, zu ihm hin und bringe ihm die Zigarren und den Kaffee. Er wird sich
sicher freuen. Nun mache ich für heute
Schluß. Morgen schreibe ich Dir ja wieder, mein lieber Mann, denn ich vergesse
Dich ja gar nie, im Gegenteil, ich denke ja immer an Dich. Sei nun recht
herzlich gegrüßt und geküßt von Deiner
Annie. Heute sind‘s die dritten 5,-Mk.
Mein lieber
Ernst! Konstanz, 23.8.40.
Heute kam Dein
lieber Brief vom 18.8 an. Das ist jedes Mal eine große Freude. Ich muß
feststellen, daß Du wirklich immer sehr stiefmütterlich mit Post versorgt
wirst, trotzdem ich ja wirklich nicht dafür kann.
Bei dem Kameradschaftsabend
habt Ihr ja gut gelebt. Aber, es muß bei allen ein Aber dabei sein, da hast Du
nun so einen Schnupfen und Katarrh. Ich weiß ja, wie Dir das immer anhängt. Ist
es inzwischen wieder besser geworden?
Mit dem Bad habt
Ihr‘s ja jetzt dort nobel. Verstehst Du dich mit dem Dr. Thoma gut? Wie meine,
so war es auch Vaters erste Frage, wer hält Euch denn die Wohnungen sauber?
Wenn Ihr Euch jemand anstellt, kostet das nicht zuviel? Aber das werde Ihr ja
dort besser wissen.
Es freut mich sehr,
daß ich Dir in dem neuen Kostüm gefalle, das ist mir nämlich die Hauptsache,
denn jetzt ziehe ich es doch noch nicht an. Ich habe ja auch keine Gelegenheit
dazu, denn ich gehe doch nie fort. Ich lebe mit allem in der Hoffnung auf Dein
Wiederkommen, mit den Sachen die Du mit geschenkt hast und die ich mir selber
gekauft habe.
Heute früh hat
einmal ein bißchen die Sonnen geschienen, aber jetzt ist es schon wieder
bewölkt und windig. In der Küche ist, trotz dem Kochen, nur 15 Grad Wärme.
Vorhin habe ich
Himbeerruten raus gerissen, da wir so viel nicht brauchen. Die Blätter verwende
ich zu Tee. Das ergibt wieder einen ganz schönen Teil. Unseren beiden Stromern
habe ich wieder Küsse von Dir gegeben. Sie haben sich‘s gern gefallen
lassen.
Gestern Nachmittag
bin ich zum Vater runter gegangen und habe ihm die Zigarren und Kaffee
gebracht. Ich habe gemerkt, wie er sich gefreut hat, wenn er mir erst auch
unbedingt den Kaffee bezahlen wollte. Als ich wieder fort ging, hat er mir
verschiedene Holzstücke gegeben, zum Anfeuerholz machen. Kaum hatte die zuhause
Jörg gesehen, als er sich schon darauf stürzte und sagte, er könnte sie
gebrauchen. Er baute gleich ein Haus davon und hat sie mir vorläufig wirklich
abgebettelt. Ich möchte wissen, was er mal nicht brauchen könnte. Heute wird der Brief ein bißchen
kürzer. Ich will heute nämlich mal mit
den Kindern in die Stadt gehen. Sei für
heute recht herzlich gegrüßt und geküßt von Deiner Annie. Anbei die vierten 5,-
Mk.
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